IWO-Österreich lud europäische Energieexperten zum Gespräch

Um die Herausforderungen und Chancen der europäischen Energieeffizienzrichtlinie zu diskutieren, lud das Institut für Wärme und Oeltechnik Energiefachleute der Europäischen Kommission, der Internationalen Energieagentur (IEA) sowie der European Heating Oil Association (Eurofuel) zu einem Expertentalk nach Wien ein. Einigkeit herrschte darüber, dass die Mitgliedsstaaten zur Zielerreichung 2020 noch ein gutes Stück Arbeit vor sich haben. Besonders im Raumwärmesektor sei noch ein hohes Potenzial zur Effizienzsteigerung verborgen. Subventionen werden durchwegs positiv bewertet, bei staatlichen Regulierungen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Ein von der IEA ausgezeichnetes österreichisches Förderprogramm zeigt, wohin die Reise zukünftig gehen kann.

„Energy Efficiency: A European Challenge“ lautete der Titel des Expertengesprächs, bei dem Eva Hoos, Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, Robert Tromop, Leiter der Abteilung Energieeffizienz der IEA und  Sabine Heyman, Generalsekretärin Eurofuel, teilnahmen. Ausgangsbasis der Diskussion war die Energieeffizienzrichtlinie (EED; 2012/27/EG), die seitens der Europäischen Kommission Strukturen und Leitlinien zur Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent bis 2020 vorgibt. Basierend auf den bekanntgegebenen Zielen der Mitgliedsstaaten sei laut Eva Hoos derzeit davon auszugehen, dass diese Marke um 3,6 Prozent verfehlt wird. Eine Bewertung der Maßnahmen und Fortschritte durch die Europäische Kommission ist nach dem Stichtag am 5. Juni 2014 vorgesehen. Für Hoos ist klar: „Energieeffizienz ist der kostengünstigste und sinnvollste Weg, Emissionen zu reduzieren, die Leistbarkeit von Energie zu gewährleisten und die Versorgungssicherheit sowie die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.“

Klassische Hürden: Informationsmängel, Budgetprobleme und fehlende Anreize
Robert Tromop betonte die vielfältigen positiven Auswirkungen von Energieeffizienz. Diese reichen vom BIP-Wachstum über die Schaffung von Arbeitsplätzen und Preisstabilität bis hin zu Gesundheit und gesellschaftlichem Wohlbefinden. Er zeigte jedoch auch die Mängel bzw. Herausforderungen im derzeitigen System auf. So würden etwa klare gesetzliche Zuständigkeiten fehlen. Auch die Unsicherheit der Konsumenten aufgrund von mangelnder oder uneinheitlicher Information sei ein Problem. Staatliche Regulierungen erachtet Tromop durchaus als sinnvoll, jedoch nur in Kombination mit attraktiven Förder- und Finanzierungsmodellen. Um die Energieeffizienz im Gebäudebereich zu steigern, gebe es in beinahe allen IEA-Ländern zumindest ein wirtschaftliches Instrument wie Steuerentlastungen, Subventionen und Kredite, die in vielen Fällen nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Ein langfristiges Ziel sollte sein, Energieeffizienz durch private Investoren und finanzielle Anreize zu unterstützen und voranzutreiben.

Österreichisches Effizienzbeispiel mit Auszeichnung
Eine Variante solch finanzieller Anreize ist etwa die österreichische Förderinitiative „Heizen mit Öl“, die ganz ohne Verwendung öffentlicher Gelder finanziert wird. Bis 2016 hat sich die Mineralölwirtschaft laut freiwilliger Vereinbarung zu einer Energieeinsparung von 2.100 GWh verpflichtet. Die HMÖ-Initiative wurde 2013 als einzige österreichische Maßnahme von der IEA mit „very good“ bezeichnet und im Bericht „Energy Provider – Delivered Energy Efficiency“ als Case Study aufgenommen.

Angebote wie die HMÖ-Förderung seien laut Eurofuel Generalsekretärin Sabine Heyman eine Möglichkeit, budgetären Grenzen von Konsumenten und Staaten entgegenzuwirken. Bis heute wurden österreichweit knapp 30.000 Förderanträge bei der HMÖ eingebracht. Die dadurch erzielten Einsparungen zeigen, dass im Ölheizungssektor großes Effizienzpotenzial steckt. Daher stellen staatliche Regulierungen, wie etwa der Fernwärmeanschlusszwang in Dänemark, oft ungerechtfertigte Eingriffe dar, gegen die Eurofuel vorgeht.

Martin Reichard, Geschäftsführer des IWO-Österreich fasst abschließend zusammen: „Jeder Energieträger kann durch entsprechende Effizienzmaßnahmen wesentlich dazu beitragen, den Energieverbrauch zu reduzieren, die Versorgungssicherheit sowie die Preisstabilität zu erhalten und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten.“